Schirmherrschaft

Schirmherrschaft

Sechs Fragen an Kultusminister Grant Hendrik Tonne

Kultusminister Grant Hendrik Tonne – Schirmherrschaft Projekt funky

Herr Tonne, Sie haben erneut die Schirmherrschaft für das Projekt funky übernommen. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für die Medienbildung?

Tagtäglich sind wir alle einer zunehmenden Menge an Informationen ausgesetzt. Jederzeit und oft ungefiltert haben auch Kinder und Jugendliche über eine Vielzahl an Medien Zugang zu jeglicher Art von Nachrichten oder Berichten. Diese können richtig und falsch sein und direkt oder unterschwellig ihre Konsumenten bei ihrer Meinungsbildung beeinflussen und schlimmstenfalls fehlleiten. Das zeigt gerade jetzt die vielfältige Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine. In diesem Zusammenhang muss auch darüber diskutiert werden, wie ein sehr großer Teil der Bevölkerung wie in Russland mit gefälschten Meldungen beeinflusst werden kann.

Es ist wichtig zu lernen, mit Nachrichten und Informationen kritisch, reflektiert und verantwortungsbewusst umzugehen. Das gilt umso mehr, je vielfältiger sich Quellen und Medien auffächern und das Angebot undurchschaubarer wird. Genau das ist ein wichtiger Bestandteil der Medienbildung und wird auch im Rahmen von funky gefördert. Das Wissen darüber, wie Meldungen und Berichte entstehen, ist wichtig, um zum Beispiel beurteilen zu können, welche Quellen seriös sind und ob es sich eventuell um Fake News handelt. Nebenbei wird bei der Arbeit im Projekt auch die Lese- und Schreibkompetenz gefördert. Medienbildung, Lesen und Schreiben sind als Schlüsselkompetenzen Voraussetzung für die Teilhabe an unserer Gesellschaft sowie an Prozessen der Meinungsbildung.

Schülerinnen und Schüler nutzen digitale Medien geradezu selbstverständlich; welchen Beitrag kann in diesem Zusammenhang ein crossmediales Angebot wie funky für die Schule leisten?

Der digitale Wandel hat weitreichenden Einfluss auf die Gesellschaft und wirkt sich sowohl auf den Bildungsbereich als auch auf die Medienlandschaft aus. In erheblicher Weise hat die Corona-Pandemie diese Transformationsprozesse intensiviert und beschleunigt. Die Arbeit an mobilen Endgeräten, der Kontakt über Videokonferenztools und der Umgang mit digitalen Informationen gehören mittlerweile wie selbstverständlich zum privaten, schulischen und beruflichen Alltag. So wie die Tageszeitung nicht mehr nur als Printmedium existieren kann, sondern ihre Inhalte multimedial aufbereitet und über unterschiedliche Kanäle verbreitet, so haben sich auch Schulen auf den Weg der digital gestützten Bildung gemacht. Ein crossmediales Angebot wie funky passt insofern gut zu einem fortschrittlichen Unterricht über und mit Medien.

Wie werden Medienkompetenzen in einem zeitgemäßen und zukunftsorientierten Unterricht vermittelt?

Medienkompetenz ist für alle Schülerinnen und Schüler heute von zentraler Bedeutung, um im Alltag, aber auch im späteren Berufsleben bestehen zu können. Derzeit arbeiten wir intensiv an den Voraussetzungen für einen zeitgemäßen und zukunftsorientierten Unterricht. Dazu gehört eine moderne und nachhaltige IT-Infrastruktur an den Schulen, die gerade über den DigitalPakt Schule realisiert wird. Sie lässt sich aber nur dann vernünftig nutzen, wenn auch die pädagogischen Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Lehrkräfte müssen also gut qualifiziert werden, um im Unterricht digitale Medien gewinnbringend einzusetzen.

Bei den Lehrkräften in unserem Land ist die Bereitschaft dazu groß. Außerdem werden derzeit laufend die Curricula angepasst, um das Lernen mit digitalen Medien und über digitale Medien in allen Unterrichtsfächern zu implementieren. Grundlage hierfür ist der der Orientierungsrahmen Medienbildung in der Schule. Er greift die Handlungsfelder der KMK-Strategie zur Bildung in der digitalen Welt auf und beschreibt, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichen Jahrgängen erwerben sollen. Ganz wichtig sind die Medienbildungskonzepte der Schulen, die dann konkret die praktische Umsetzung in den Fächern aufzeigen. Dabei geht es übrigens nicht nur um Technik, sondern auch um die gesellschaftliche und ethische Seite der Mediennutzung: Leider ist die digitale Welt ja nicht nur voller Chancen, sondern unterliegt auch vielen Risiken und Gefahren.

Bei meinen Besuchen an Schulen sehe ich immer wieder viele sehr gelungene Beispiele dafür, wie innovativ und kreativ, aber auch kritisch und reflektiert im Unterricht mit Medien gearbeitet wird. Das zeigt mir: Es gibt sicher noch viel zu tun, aber wir sind auf einem sehr guten Weg zu einem zukunftsorientierten Unterricht!

Inwiefern hat die Pandemie die Bildung mit digitalen Medien in Niedersachsen beeinflusst?

Der pandemiebedingte Digitalisierungsschub hat Bildung und Unterricht nachhaltig geprägt. Diese Veränderungen betreffen nicht nur die digitalen Infrastrukturen und die Ausstattung mit Endgeräten, sondern auch Unterrichtsformen und -methoden. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte mussten sich auf die Bedingungen von Distanzlernen und Hybridunterricht einstellen. Damit einher gingen eine verstärkte Digitalisierung und Individualisierung des Lernens sowie neue Formen der Kommunikation und Kollaboration.

Wie ist der aktuelle Stand der digitalen Transformation an niedersächsischen Schulen?

Wir in Niedersachsen sehen uns auf einem guten Weg, was die Fortschritte im Bereich der Digitalisierung von Lehr- und Lernprozessen in unseren Schulen betrifft. Grundlage eines gelungenen Transformationsprozesses in das digitale Zeitalter bildet eine leistungsfähige Infrastruktur. Das ist eine große Herausforderung für ein Flächenland wie Niedersachsen. Mit dem DigitalPakt Schule, aber auch mit dem niedersächsischen Masterplan Digitalisierung wird in einer beispiellosen Ausbauoffensive in die digitale Infrastruktur unseres Landes investiert.

2020 haben wir das Sofortausstattungsprogramm für die digitalen Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler mit Bedarf vollständig umgesetzt, um das Distanzlernen für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen. Die zwei weiteren Zusatzprogramme des DigitalPakts Schule für die Ausstattung der Lehrkräfte mit digitalen Leihgeräten und die Verstärkung der administrativen Unterstützung für Schulen sind 2021 fast vollständig abgeschlossen worden. Insgesamt wurden bislang rund 324 Mio. Euro bewilligt, gebunden oder ausgezahlt. Mit den kommunalen Spitzen wollen wir jetzt eine nachhaltige Lösung für die Systemadministration ab 2024 entwickeln. Nicht alles geht so schnell, wie manch einer sich das erhofft, aber unter den gegebenen Umständen sind wir unserem Ziel doch erheblich nähergekommen.

Was macht den besonderen Effekt einer Kooperation zwischen Medienpraxis und Schule aus?

Ich sehe in der Kooperation und Vernetzung mit außerschulischen Bildungspartnern eine sinnvolle Bereicherung des schulischen Lernens, die eine große Bedeutung für die Qualität und Wirksamkeit der Bildungsarbeit hat. Denn ich bin überzeugt, dass die besondere Form des Praxisbezugs das Interesse, die Motivation und den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler nachhaltig fördert. Der Einsatz von Medienpraxis in Schulen unterstützt die übergreifenden Bildungsziele der Berufsorientierung und der Medienbildung. Insofern begrüße ich ausdrücklich den wertvollen Beitrag, den das Projekt funky in diesem Zusammenhang leistet.